Boysun (Usbekisch: Boysun, Russisch: Байсун, transliteriert: Baysun) ist eine Stadt in der Region Surxondaryo in Usbekistan und dient als administratives Zentrum des Boysun-Distrikts. Laut Volkszählung von 1989 hatte die Stadt 16.732 Einwohner, bis 2016 wuchs die Bevölkerung auf etwa 27.600.

Boysun gehört zu den ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungen der Region Surxondaryo. Nordwestlich von Boysun, in den Teshiktosh-Bergen, gibt es Hinweise auf menschliche Aktivität, die bis zu 5.000 Jahre zurückreichen.
Zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. befand sich hier eine befestigte Siedlung namens Poikalon. Vom 6. bis zum 13. Jahrhundert existierte in der Region die Stadt Bosand, die ein bedeutender Teil des historischen Chaghaniyan-Gebiets war.
Bosand wird in historischen Texten erwähnt, darunter in Abu Ishaq al-Istakhris Buch der Straßen und Königreiche sowie in Hudud al-'Alam, wo die Stadt als bevölkerungsreich und militärisch bedeutend beschrieben wird. Dank ihrer strategischen Lage entlang der Handelsroute, die Chaghaniyan mit Samarkand durch das Eiserne Tor verband, entwickelte sich Bosand zu einem Zentrum für Handel und Kultur. Archäologische Funde belegen, dass die Stadt von der Antike bis in die islamische Periode durchgehend bewohnt war und in späteren Phasen mit Verteidigungsmauern befestigt wurde.

Boysun ist zudem für seine Teshik-Tash-Höhle bekannt, wo die Grabstätte eines Neandertaler-Kindes entdeckt wurde – ein Fund, der weltweite Aufmerksamkeit erregte. In den nahe gelegenen Kugitang-Bergen finden sich mesolithische Felsmalereien einer "magischen Stierjagd", die weitere Hinweise auf die uralte menschliche Besiedlung der Region liefern.
Ein weiteres Zeugnis der historischen Bedeutung Boysuns ist der Boysun-Schatz, der in der Zafarnama erwähnt wird. Im 19. Jahrhundert war Boysun eine der drei Bekliks (Verwaltungseinheiten) des Emirats Buchara in der Region Surxondaryo, wobei die Bevölkerung überwiegend aus einheimischen Usbeken bestand.

Der Name "Boysun" stammt aus den alten türkischen Wörtern "boy" und "sin", die als "großer Berg" oder "hoher Berg" übersetzt werden können. In den türkischen Stämmen galten Berge oft als heilig und wurden häufig in Ortsnamen verwendet.
Einer lokalen Überlieferung zufolge bedeutet "Biysun" (eine Variante von Boysun) "Wohnort der Mächtigen" oder "Siedlung der Starken", was auf die Stärke der alten türkischen Bewohner dieser Region hinweist.
Boysun liegt in einem Tal, das von Hügeln und dem Boysuntoq-Kamm des Hissargebirges umgeben ist. Die Bergrücken in der Umgebung erreichen Höhen von bis zu 3.100 Metern (10.200 Fuß), während sich im Westen noch höhere Erhebungen befinden.
Die Landschaft ist geprägt von grasbewachsenen Ebenen, zerklüfteten Felsen und trockenen Gebieten, wobei das Klima vorwiegend arid ist.

Boysun weist ein mediterranes Klima (Köppen: Csa) auf, das sich durch heiße, trockene Sommer und kühle Winter auszeichnet.
Die Niederschlagsmenge ist gering und unregelmäßig, wobei der meiste Regen im Herbst fällt. Sommer sind extrem trocken, während die Temperaturen stark variieren können.
Die wichtigste Straße, die durch Boysun führt, ist die Route P-105, die die Stadt mit den größeren Straßen und Städten der Region verbindet.
Am 18. Januar 2008 wurde Boysun auf die UNESCO-Welterbe-Vorschlagsliste in der Kategorie "Mixed (Kultur- und Naturerbe)" aufgenommen. Diese Anerkennung hebt die einzigartige Kombination aus historischer Bedeutung und natürlicher Schönheit der Region hervor.
In den Jahren 1938–1939 entdeckte der sowjetische Archäologe A.P. Okladnikov die Teshik-Tash-Höhle in den Baysuntau-Bergen. Diese Höhle enthielt das Grab eines Neandertaler-Kindes, eine der bedeutendsten Entdeckungen dieser Art. Eine weitere wichtige archäologische Stätte ist die Machai-Höhle, die auf die mittlere Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum) und die mesolithische Epoche zurückgeht. Sie wurde erstmals in den frühen 1930er Jahren von Gavriil Wassiljewitsch Parfenov erforscht.

Im Jahr 1991 leitete der Archäologe Edward Rtveladze Ausgrabungen am Susiztag-Berg, wo er die Uzundara-Festung entdeckte, eine hellenistische Stätte aus dem 3.–2. Jahrhundert v. Chr.. Zudem entdeckte ein Team der Baysun-Wissenschaftsexpedition unter der Leitung von L. Sverchkov im Jahr 2003 eine Festung in der Nähe von Kurganzol. Diese Festung, die im späten 4. Jahrhundert v. Chr. im nördlichen Baktrien errichtet wurde, wird Alexander dem Großen zugeschrieben.
Das "Boysun Bahori" ("Boysun Frühling") ist ein jährliches internationales Kulturfestival, das in der malerischen Stadt Boysun im Herzen der Region Surxondaryo im Süden Usbekistans stattfindet.

Auf den ersten Blick mag Boysun wie eine unscheinbare Bergstadt wirken, umgeben von einer atemberaubenden Naturkulisse. Doch sein wahres Wunder offenbart sich hinter den mit alten Keramikfliesen verzierten Toren. Diese führen jedoch nicht zu einem historischen Bauwerk aus der Zeit großer Dynastien, sondern zu den Häusern und Familien der Bewohner von Boysun. Hier liegt der wahre Schatz der Stadt: die Menschen, die mit großer Hingabe die Bräuche, Rituale und Traditionen ihrer Vorfahren bewahren.
Besonders faszinierend ist die Tiefe dieser authentischen Kultur, die bis in die vorgeislamische Zeit zurückreicht. In jener Ära dominierte der Zoroastrismus, eine Religion, die die Elemente der Natur verehrte. Dieses kulturelle Erbe hat sich bis in die heutige Zeit bewahrt.
Das folkloristische Festival "Boysun Bahori" wird in dieser magischen Kulisse gefeiert, eingebettet in die Ketmen-Chapty-Bergkette. Während viele Bergregionen weltweit für ihre traditionellen Lebensweisen bekannt sind, zeichnet sich dieses Festival dadurch aus, dass die gelebte Folklore nicht künstlich wiederbelebt wird, sondern ein organischer Bestandteil der seit Generationen überlieferten Lebensweise ist.
Nur wenige Orte auf der Welt können ein Erbe vorweisen, das von der UNESCO als "Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" anerkannt wurde.
Wie der Name schon sagt, findet das Festival im Frühling statt – zu einer Zeit, in der die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht, das Land mit smaragdgrünem Gras bedeckt und die Luft mit dem Duft blühender Bäume erfüllt ist. Die warme Sonne lädt dazu ein, den ganzen Tag unter freiem Himmel zu feiern.
Während des Festivals werden Jurten in den Ausläufern der Berge errichtet, die ein temporäres Dorf bilden. Hier versammeln sich Folklore-Ensembles, "Bakhshi"-Geschichtenerzähler und Dichter sowie "Akyn"-Improvisatoren aus ganz Usbekistan und Zentralasien, ähnlich wie einst die Nomaden.

Kunsthandwerker präsentieren ihre kunstvoll gefertigten Werke zum Verkauf und bieten Meisterkurse an, um die Geheimnisse ihrer Handwerkskunst weiterzugeben.
Die usbekische Küche, die tief mit der kulturellen Identität des Landes verwurzelt ist, entfaltet sich in ihrer ganzen Vielfalt. Feinschmecker kommen hier auf ihre Kosten, denn überall werden traditionelle Gerichte in großen Kesseln über offenen Feuern zubereitet. Besucher können sich an Plov, Shurpa, Dimlama, Lagman und vielen anderen Spezialitäten der usbekischen Gastronomie erfreuen.
Das Festival begeistert zudem Fans traditioneller Sportarten und Wettkämpfe. Die "Kurash"-Ringer messen sich in kraftvollen Zweikämpfen, während Reiterspiele wie "Kupkari" die Atmosphäre mit Spannung und Energie füllen und die dynamische Kultur der Region widerspiegeln.

Im Jahr 2022 feierte das "Boysun Bahori"-Festival sein 20-jähriges Bestehen, ein bedeutender Meilenstein für dieses außergewöhnliche kulturelle Erbe.