Chiwa, gelegen in der Region Xorazm in Usbekistan, ist eine Stadt mit Bezirksstatus und hatte nach aktuellen Schätzungen etwa 93.000 Einwohner. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Stadt vor etwa 2.500 Jahren gegründet wurde – ein Jubiläum, das 1997 mit ihrer 2500-Jahr-Feier begangen wurde. Historisch diente Chiwa als Hauptstadt mehrerer bedeutender Staaten, darunter Choresmien, das Khanat Chiwa und die Choresmische Volksrepublik. 1991 wurde Itchan Kala, die historische Altstadt Chiwas, als erstes UNESCO-Weltkulturerbe Usbekistans anerkannt. Chiwa ist zudem bekannt als Geburtsort von Al-Biruni (973–1048 n. Chr.), einem berühmten Astronomen, Historiker und Universalgelehrten, der entweder hier oder in der nahegelegenen Stadt Kath geboren wurde.

Der Ursprung des Namens „Chiwa“ ist unklar, und verschiedene Legenden und Theorien versuchen, seine Herkunft zu erklären:
Der Brunnen von Kheyvak: Einer Überlieferung nach wanderte Schem, einer von Noahs Söhnen, nach der Sintflut durch die Wüste. In einem Traum sah er 300 brennende Fackeln und deutete dies als Zeichen, eine stadtförmige Siedlung zu errichten. Er grub einen Brunnen namens Kheyvak und entdeckte außergewöhnlich wohlschmeckendes Wasser. Dieser Brunnen, der noch heute in Itchan Kala existiert, soll der Stadt ihren Namen gegeben haben.
Einfluss von Choresmien: Einige Wissenschaftler vermuten, dass „Chiwa“ von „Choresmien“ abgeleitet wurde, das sich im Türkischen zu „Khivarezem“ entwickelte und später zu „Chiwa“ verkürzt wurde.

Chiwa gehört zu den ältesten Städten Zentralasiens. Frühe arische Siedler sprachen Choresmisch, eine ostiranische Sprache, bis ab dem 10. Jahrhundert zunehmend türkische Bevölkerungsgruppen die Region dominierten.
Die Stadt gewann im 10. Jahrhundert an Bedeutung, als sie erstmals in muslimischen Reiseberichten erwähnt wurde, obwohl archäologische Hinweise auf eine Besiedlung seit dem 6. Jahrhundert hindeuten. Im frühen 17. Jahrhundert wurde Chiwa zur Hauptstadt des Khanats Chiwa unter der Herrschaft der Astrakhaniden-Dynastie.

Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich Chiwa zu einem bedeutenden Zentrum des Sklavenhandels. Neben Buchara war Chiwa berüchtigt als eine der „Sklavenhauptstädte der Welt“, in der Tausende Perser und Russen verkauft wurden. Allein im 19. Jahrhundert wurden etwa 30.000 Perser und zahlreiche Russen versklavt und zum Bau von Bauwerken gezwungen.
Chiwa geriet im 19. Jahrhundert während der russischen Eroberung Zentralasiens unter russischen Einfluss. General Konstantin von Kaufman eroberte die Stadt im Mai 1873 und machte das Khanat zu einem russischen Protektorat.

Chiwa ist in zwei Bereiche unterteilt:
Das Kalta Minor wurde 1851 von Mohammed Amin Khan als Teil eines nie fertiggestellten Minaretts errichtet. Es ist heute ein markantes Wahrzeichen im Stadtzentrum.

1991 wurde Itchan Kala zum ersten UNESCO-Weltkulturerbe Usbekistans ernannt. Über 50 Monumente und 250 traditionelle Häuser zeugen von der kulturellen Bedeutung Chiwas.
Wichtige Bauwerke: Djuma-Moschee, Sherghazi-Khan-Madrassa, Pahlavon-Mahmud-Komplex, Islamkhodja-Minarett, Muhammad-Aminxon-Madrassa, Toshhovli-Palast u.v.m.

Industrien: Teppichherstellung („KhivaCarpet“), Baumwollverarbeitung, Märkte, Brotfabriken.
Bildung: Niederlassungen von Universitäten, medizinische & technische Hochschulen, Gymnasien, Kunstschulen.
Gesundheit: Zentralkrankenhaus, Entbindungsklinik, Zahnzentrum, Poliklinik, Apotheken etc.
Tourismus: Über 200.000 Besucher jährlich. Gut ausgebaute Infrastruktur: Bus, Minibus, Trolleybuslinie nach Urganch. Viele Gästehäuser und Festivals.
